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Ungeduld

Ich habe ein Beet angelegt.

Die Samen sind in der Erde.

Jeden Tag sitze ich bei diesem Beet.

Gucke auf die Erde.

Prüfe, ob sich etwas tut.

Stundenlang.

Ich sitze dort und warte.

Nichts passiert.

 

Ich rede mit dem Samen.

Ich sage ihm, dass ich ungeduldig bin.

Bin ja ehrlich.

Er möge sich bitte beeilen.

Interessiert den Samen herzlich wenig.

Wiederholung.

Jeden Tag.

 

Manchmal werde ich wütend.

Warum passiert nichts?

Erste zarte, grüne Tupfen?

Warum geht das nicht schneller?

Ich sitze am Beet und grantel vor mich hin.

Erste Blättchen zeigen sich.

Himmelherrgott, was dauert das so lang?

 

Unkraut hat keine Chance.

Ich beschütze mein Beet.

Unter den Schnecken hat sich

herumgesprochen, dass sie

mein Beet besser meiden.

Denn ich bin da.

 

Menschen, die mein Beet sehen,

sind überrascht:

"Das wächst aber schnell bei Ihnen!"

"Das sieht toll aus!"

"Wie machen Sie das?"

Und ich freue mich über das Lob.

Für einen kurzen Moment.

Dann ärgere ich mich.

Über mich selbst.

Weil ich herumgegrantelt habe.

Weil es mir nie schnell genug gehen kann.

Und naja...

Weil mir das manchmal

mit der Freude schwerfällt.

Du weißt schon.

 

Manchmal wollen es andere besser wissen.

"Du musst Geduld haben."

"Geduld ist eine Tugend."

"Ich habe gelernt, geduldig zu sein."

Dann muss ich immer tief durchatmen.

Denn darum geht es mir nicht.

 

Ich liebe, was ich tue.

Darum geht es mir.

 

Alltag eben.

 

:-)

Gedicht Ungeduld