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Die Gefühlsbotschaften - Was bedeuten Gefühle?

Die Gefühlsbotschaften Was bedeuten Gefühle

Hast du dir schon mal die Frage gestellt, warum wir verschiedene Gefühle haben und nicht ein „Standardgefühl“? EIN Gefühl für alles und jede Lebenslage :-). Das hätte doch was. Es wäre irgendwie praktisch und einfach. Das würde den scheinbar komplexen und diffusen Wirrwarr in uns vereinfachen.

 

Solche Gedanken gingen mir damals in der Klinik bei meinen täglichen Spazierrunden durch den Kopf. Als mir mein Lieblingspfleger gesagt hatte, dass die Depression für ihn „verdrängte Gefühle“ bedeutet, wusste und spürte ich damals für mich intuitiv, dass er damit Recht hatte. Aber was ist das eigentlich – ein Gefühl? Ist das ein Geist? Hab ich Geister in mir?!?! Haben diese Geister Farben? Sind die nur in mir drin oder können die wegfliegen? :-) Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen und erklären, was Gefühle sein sollten. (Ja, ich habe mir eine Zeit lang Gefühle als farbige Geister vorgestellt ;-))

Gefühle gehören wie das Denken, Atmen, Sprechen, Verdauen etc. zu uns

Die Gefühlsbotschaften Gefühle gehören zu uns

Falls es dir so oder ähnlich geht, kann ich dich gut verstehen. Kaum jemand von uns hat ja gelernt, wie wir bewusst und achtsam mit unseren Gefühlen umgehen können. Sätze wie „Brüll doch nicht schon wieder so!“, „Warum heulst du jetzt?“ oder „Davor brauchst du doch keine Angst zu haben.“ kennen viele. Dabei ist der bewusste Umgang mit unseren Gefühlen in meinen Augen sehr wichtig. Wie ich es schaffte, mir zu erschließen, was Gefühle eigentlich bedeuten, teile ich mit dir daher in diesem Artikel. Du erfährst, welche Botschaften hinter den Gefühlen Wut, Hass, Verzweiflung, Angst, Neid, Freude, Eifersucht, Missgunst, Scham und Trauer in meinen Augen stecken.

 

Dabei ist mir folgendes wichtig: Diese Herleitung und „Übersetzung“ der verschiedenen Gefühle ist kein wissenschaftliches Ergebnis. Ich habe keine 10.000 Leute befragt, um meine „Gefühlsbotschaften“ zu bestätigen. Doch ich wende dieses „Vokabelsystem“ schon seit rund einem Jahr täglich für mich an und komme damit sehr gut zurecht. Ich habe deshalb auch schon seit einer Weile keine Angst mehr vor meinen Gefühlen. Denn ich weiß: Sie meinen es ALLE gut mit mir.

 

Wie bitte, was?! Hass und Co. sollen ok sein?!?

Die Gefühlsbotschaften Hass

Ich hatte schon in der Klinik begonnen, meinen Lieblingspfleger mit Fragen zu Gefühlen zu löchern. Was sind Gefühle? Wozu brauche ich sie? Was wollen mir einzelne Gefühle sagen? Warum habe ich Gefühle? Während dieser Gespräche merkte ich schnell, dass das Thema Gefühle nirgends in mir richtig „andocken“ wollte. Das ganze Thema war für mich eine einzige Fremdsprache, zu der ich keinen richtigen Zugang fand.

 

Aber dann passierte etwas, was mich nachhaltig beeinflusste. Nach einigen Wochen in der Klinik rief mich meine Mama an. Sie wollte mich mit ihrem Mann besuchen und Dinge mit mir unternehmen, für die ich überhaupt keine Kraft hatte. Ich brachte damals tatsächlich ein Nein über meine Lippen (worauf ich heute noch stolz bin). Doch meine Mama ließ nicht locker. Das brachte mich innerlich völlig auf. Heftige Gedanken schoßen mir durch den Kopf: „Warum akzeptiert sie mein Nein nicht?!?“, „Warum macht sie das???“, „Was soll ich jetzt tun?!??!?“.

 

Mit diesem heftigen Sturm in mir kam ich nicht klar. Zumal die Beziehung zwischen meiner Mama und mir sehr komplex ist. Solche Gedanken meiner Mama gegenüber zu haben, war für mich damals etwas zutiefst Verbotenes und Falsches (das heißt, ich verbot es mir selbst). Ich erschrak vor meinem Innenleben. Was ging da bitte in mir ab?! „Das ist meine Mama! Ja hallo, hab ich sie nicht mehr alle?!?!“

 

Ich rang mit mir, ich verabscheute mich zutiefst für meine Gedanken. Gottseidank konnte ich kurz darauf mit meinem Lieblingspfleger sprechen. Ich schämte mich bis ins Bodenlose und darüber hinaus, als ich ihn kleinlaut fragte: „Darf ich meine eigene Mama hassen?“

 

Und dann passierte etwas, wofür ich für immer dankbar sein werde. Er sah mich an und sagte: „Hass bedeutet nichts anderes als Abstand."

Ja, Hass und Co. zu fühlen, ist völlig ok und normal :-)

Ich muss lächeln, während ich das schreibe. Denn diese Aussage war ein Wendepunkt für mich. Damit waren drei wichtige Botschaften verknüpft: 

  • Ich DARF Hass fühlen und bin deshalb kein schlechter Mensch.
  • Der Hass, den ich im Gespräch mit meiner Mama empfunden hatte, war berechtigt.
  • Ein Gefühl (hier im Beispiel der Hass) will mir etwas sagen.

Meine Mama hatte damals Grenzen übertreten. Sie bestand auf etwas, was mir nicht gut tat. Und mein Gefühl (Hass) warnte mich, gut auf mich zu achten und mich dem Stress nicht auszusetzen. Denn Stress hätten ihre geplanten Unternehmungen für mich bedeutet. Die klare Botschaft des Hasses war also: Gehe in dieser Situation auf Abstand.

 

Ist das nicht genial?! So empfinde ich das zumindest :-).

 

Ich verstand also, dass mir Gefühle etwas sagen möchten und sie mir nichts Böses wollen. Und wie beim Vokabellernen begann ich in der Folgezeit, nach „Übersetzungen“ der einzelnen Gefühle zu recherchieren. Was steckte hinter Scham, Neid, Angst, Wut, Eifersucht, Missgunst, Freude, Trauer, Hass und Verzweiflung? Was bedeuteten diese Gefühle? Ich googlete viel und prüfte für mich selbst immer wieder, ob diese „Gefühlsbotschaften“ für mich stimmten.

Die Gefühlsbotschaften Gefühle sagen dir etwas

Beispiel Verzweiflung

Du warst wahrscheinlich auch schon mal in einer Situation, in der du dich verzweifelt gefühlt hast. Das ist für mich ein Gefühl, das man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sich ausgeliefert, hilflos, orientierungslos, von nackter Angst verfolgt zu fühlen, kann sich äußerst bedrohlich anfühlen. Ich kenne das zu gut. Ich wusste ja lange nicht, was mir Verzweiflung eigentlich sagen möchte. Dadurch geriet ich immer wieder in Situationen, die ich als (sehr) bedrohlich, wenn nicht sogar lebensbedrohlich, empfand. Das waren äußerst kraftzehrende Momente und Phasen, die beispielsweise in erschöpfende Panikattacken mündeten. In meinem Erfahrungsbericht zur Überwindung meiner Depression schreibe ich darüber.

 

Es brauchte damals einigen Mut, mir meine Verzweiflung einzugestehen. Es ist nicht sehr angenehm, sich bewusst zu machen, dass man mit sich selbst und dem eigenen Leben gerade nicht klarkommt. Außerdem wusste ich ja nicht, was mich erwartete, wenn ich nach der Botschaft der Verzweiflung googlete. Zum Glück habe ich es aber getan. Verzweiflung bedeutet erstmal nichts anderes, als das Bisherige in Frage zu stellen. Und bei mir gab es damals sehr viel, was in Frage gestellt werden wollte. Erst durch dieses Verständnis konnte ich mich erstmals Ende 2018 mit den Fragen beschäftigen:

  • Wer bin ich?
  • Welche Bedürfnisse habe ich?
  • Was ist eine gute Richtung für mein Leben?

Ich zweifelte also meine bisherige Lebensweise an. Und das war gut so. Auch in den Folgemonaten spürte ich ja in schwierigen Aufarbeitungsmomenten immer wieder die Verzweiflung. Doch die Empfindungen hatten ihre Übermacht verloren, denn ich wusste nun: „Die Verzweiflung will mir sagen, dass ich mich irgendwie verstrickt habe. Sie meint es gut mit mir.“ So überstand ich viele knifflige Momente.

Die Botschaften der Gefühle

Die Gefühlsbotschaften Übersicht

Ich finde es also sehr wichtig, auf die eigenen Gefühle und ihre jeweiligen Botschaften zu achten. Außerdem ist mir wichtig: In meinen Augen gibt es keine „negativen“ und „positiven“ Gefühle. JEDES Gefühl will mir etwas sagen und mich mit meinen dahinterliegenden Bedürfnissen verbinden. Und: Fühlen ist NICHT Verhalten. Wenn ich Wut spüre, schreie und schlage ich nicht automatisch (oder ignoriere mein Gegenüber). Wenn ich Missgunst fühle, bin ich nicht automatisch gezwungen, zu mobben und auszugrenzen. Wenn ich Hass spüre, bin ich nicht gezwungen, andere zu beleidigen, Eigentum anderer zu zerstören oder gar Menschen zu töten. Fühlen ist NICHT Verhalten.

 

Vielleicht magst du die Gefühlsbotschaften für dich mal ausprobieren. Ist alles schon nicht mehr ganz so diffus und chaotisch, oder? :-)

 

Bis bald wieder.

 

Herzensgruß

Deine Kirsten