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Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme

Im Artikel „Einfach erklärt: Was ist ein Gefühl?“ teile ich mit dir, was ich unter einem Gefühl verstehe:

 

Ein Gefühl ist für mich Energie, die im Körper spürbar ist. Im Idealfall dient diese Energie dazu, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme 10 Gefühle

Wo und wie ich die Energien der Gefühle Wut, Hass, Trauer, Scham, Verzweiflung, Angst, Freude, Neid, Missgunst und Eifersucht in meinem Körper wahrnehme und spüre, möchte ich dir in diesem Artikel beschreiben. Die körperlichen Empfindungen sind dabei übrigens immer gleich, das heißt: Beispielsweise spüre ich meine Angst immer auf die gleiche Art und Weise. Es ist immer der kalte Klammergriff um mein Herz. Der einzige Unterschied besteht lediglich in der Intensität der Energien und körperlichen Empfindungen, was wiederum von der Situation abhängt. Wenn ich eine Straße überqueren will, spüre ich meine Angst kaum (außer ich spüre in der Situation ganz bewusst in mich hinein). Wenn sich aber mein WG-Mitbewohner, den ich gern habe und mit dem ich etwas unternehmen möchte, sehr verspätet und kein Lebenszeichen von sich gibt, kommt der kalte Klammergriff mit voller Wucht. Dann spüre ich auch starken Druck in der Brust.

Gefühle wollen wahrgenommen werden

Doch auch wenn sich das erstmal nicht sehr angenehm anfühlt, sind diese Empfindungen nichts Unnatürliches oder gar Negatives. Sie sind einfach da, die Angst will wahrgenommen werden. Und bevor ich mir lange den Kopf zerbreche, die Angst und damit der Klammergriff immer schlimmer werden, rufe ich beispielsweise meinen WG-Mitbewohner an und erfahre, dass ihm auf Arbeit noch etwas dazwischengekommen ist (oder etwas ähnliches). Die Situation ist geklärt, ich atme einmal tief durch und ich muss ihm später keine Vorwürfe machen (weil sich zur angestauten Angst vielleicht noch Wut mischte – „Warum meldet er sich nicht?“, „Bin ich ihm nicht wichtig?“).

 

Wie viele Panikattacken wären mir erspart geblieben, wenn ich früher gewusst hätte, dass dieser Klammergriff und der starke Druck in der Brust nichts Schlimmes sind...

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Its ok

Gefühle helfen mir, Belastendes durchzustehen

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Belastendes überstehen mit Gefühlen

Seit ich diese Ordnung in mein Innenleben gebracht habe, habe ich keine Angst mehr vor meinen Gefühlen und den entsprechenden Empfindungen in meinem Körper. Und nur DANK meiner Gefühle und ihrer Botschaften habe ich Situationen wie das so belastende Stalking bisher überstanden und konnte mich mit verschiedenen Vorgehensweisen wehren. Wenn ich meine Gefühle wie Angst („Warnung! Pass auf!“), Wut („Grenze!“), Hass („Abstand“) und Verzweiflung („das Bisherige anzweifeln“) unterdrückt oder einfach schöngeredet hätte… Wie es mir dann heute ginge? Das kann ich nicht beantworten.

2 Wichtige Hinweise

Bevor du gleich liest, wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme, ist mir noch etwas wichtig:

 

1. Ich beschreibe dir meine persönlichen, körperlichen Empfindungen der Gefühle und erhebe keinen Allgemeingültigkeitsanspruch. Deine Gefühle können sich bei dir anders zeigen als bei mir. Außerdem basiert die Herleitung der Gefühle und ihrer Botschaften überwiegend auf meinen persönlichen Aufarbeitungs- und Alltagserfahrungen. Und: Aufgrund der Gefühlsdefinition von oben gibt es für mich persönlich folgende 10 Gefühle: Wut, Trauer, Freude, Scham, Neid, Hass, Eifersucht, Verzweiflung, Missgunst und Angst. Es gibt viele verschiedene Einteilungen der Gefühle und vielleicht sind auch dir schon lange Listen mit Gefühlsbeschreibungen begegnet. Der eine schreibt von 5 Gefühlen, ein anderer definiert Basisemotionen bzw. primäre und sekundäre Emotionen (vgl. Puca, Seite 504 f., 2021), wieder ein anderer kennt 100 Gefühle, für den nächsten sind beispielsweise Wut und Zorn etwas Unterschiedliches (für mich nicht), für noch einen anderen zählen z. B. Dankbarkeit und Schuld zu den Gefühlen (für mich nicht) und noch jemand meint, zwischen den Begriffen "Gefühl" und "Emotion" gibt es keinen Unterschied (für mich gibt es einen).

 

Aus meiner Sicht sind das jedoch häufig Einteilungen, die vor allem auf der geistigen Ebene entstanden. Es spielt demnach keine Rolle, ob es mit dieser Herangehensweise 5, 50, 500 Gefühle gibt; ich gehe noch einen Schritt weiter und meine: Wer sich nur mit dem Verstand dem Thema Gefühle nähert, wird sich daran mühevoll und quälend abarbeiten. Unübersichtlichkeit, komplizierte Klassifizierungen und Überforderung sind in meinen Augen die Folge. Doch um Ordnung in das eigene Innenleben zu bringen, braucht es aus meiner Sicht hauptsächlich die körperliche Ebene bzw. die Körperwahrnehmung. Dann ist es auch nicht erforderlich, möglichst viele Synonyme (geistige Ebene) für Gefühle wie beispielsweise Wut und Angst zu finden (Ärger, Zorn, Furcht, Panik, Sorge, Befürchtung, Unbehagen, Groll, Verärgerung usw.). Das mag zwar sehr wortgewandt sein (geistige Ebene). Doch so wird das Thema Gefühle nur unnötig aufgebauscht und künstlich verkompliziert.

 

2. Fühlen ist nichts Unmännliches. War es nie und ist es nie. Das Fühlen zeichnet uns Lebewesen aus und damit auch die Jungen und Männer. Es ist völlig natürlich und normal, zu fühlen und damit entsprechende Empfindungen im Körper zu spüren. Jungen sind keine!!! "Weicheier", "Waschlappen" oder "Schlappschwänze", wenn sie fühlen und das zeigen. Aus meiner Sicht darf man sich zunächst selbst fragen, woher diese Ansichten kommen.

 

Und nun will ich dir endlich erzählen, wie sich die 10 Gefühle für mich anfühlen :-).

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Hinweis

Meine körperlichen Empfindungen

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Wut

Mein Lieblingsgefühl spüre ich eindeutig durch ein „Umschalten“ im Unterbauch. Als würde sich dort ein Schalter umlegen. Von dort aus breitet sich pure Energie in meinem ganzen Oberkörper aus. Mir wird warm und ich spüre viel Kraft in meinen Armen. Unterdrücke ich meine Wut, bekomme ich schnell Sodbrennen, ich drücke an meiner Haut und meine Gedanken geben keine Ruhe.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Angst

Ganz klar: Wenn ich Angst fühle, spüre ich einen kalten Klammergriff um mein Herz. Je nach Situation und damit verbundener Intensität kann sich der Klammergriff zwar sehr bedrohlich anfühlen. Zumal dann auch mein Herz schneller schlägt. Doch ich mache mir dann bewusst: Es ist „nur“ Angst. Sie will mich warnen und mich schützen.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Freude

Mein Bauch wird ganz leicht und diese Leichtigkeit breitet sich in meinem ganzen Oberkörper aus. Ich muss auch fast automatisch lächeln oder lachen :-). Wenn ich übrigens schlichtweg vergesse, mich zu freuen (ein Relikt von früher) bzw. meine Freude unterdrücke, fühlt sie sich fast genauso an wie meine Angst! Der unterdrückten Freude fehlt zwar der Klammergriff. Doch der Druck in der Brust kann beängstigend stark werden. Bei einer so bedrohlichen Empfindung muss man dann erstmal darauf kommen, dass man gerade „nur“ Freude nicht fühlt.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Trauer

Die Trauer spüre ich als Schwere im ganzen Oberkörper, reflexartig lasse ich die Schultern hängen. Zusätzlich zur Schwere im Oberkörper ist bei starker Trauer (zum Beispiel beim Abschied von lieben Menschen oder von meiner geliebten Leipziger Wohnung) mein Hals wie zugeschnürt und ich weine.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Neid

Meldet sich der Neid bei mir, sticht es in meinem Bauch. Je nach Situation kann das ein leichtes Pieksen, aber auch ein kräftiges Stechen sein. Da ich so lange Probleme mit meinem Selbstwert hatte, passe ich beim Neid gut auf und höre genau auf dessen Botschaft (wie auch bei der Missgunst). Ich frage mich dann: Wann habe ich mir zuletzt etwas Gutes getan? Wann habe ich „über die Stränge geschlagen“? Wann habe ich mir zuletzt erlaubt, im Mittelpunkt zu stehen? (Achtung, möglicher Trigger ;-)) Wann war ich zuletzt gierig und habe nach der Devise entschieden: "Nö, jetzt bin ich dran"?

 

Den bewussten und achtsamen Umgang mit Neid und Missgunst empfinde ich mittlerweile als sehr bereichernd.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Verzweiflung

In meinem ganzen Körper wird es immer enger; als würde mein Körper von außen zusammengedrückt. Dabei habe ich den beklemmenden Eindruck, immer schlechter Luft zu bekommen. Außerdem sehe ich bei der Verzweiflung immer ein inneres Bild (ich denke hauptsächlich mit der rechten Gehirnhälfte): Ich renne einen dunklen Korridor entlang, der zwar viele Türen hat. Und obwohl ich an allen rüttle, sind sie verschlossen. Sobald also dieses Bild in mir auftaucht, weiß ich mittlerweile: An meiner Situation stimmt etwas überhaupt nicht.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Eifersucht

Hach ja, die liebe Eifersucht und ich. Da meine Verlustangst stark ausgeprägt ist (das brauche ich bei meiner Geschichte auch nicht schönreden), meldet sich auch meine Eifersucht recht häufig und intensiv. Umso wichtiger war es für mich, sie behutsam fühlen zu lernen, meine mit ihr verbundenen Bedürfnisse zu erkennen und gewisse Glaubenssätze zur Eifersucht abzulegen ("Eifersucht ist schädlich", "Eifersucht schadet der Beziehung" - kurzum: "Eifersucht ist ganz schlecht"). Eifersucht spüre ich als ein schnelles, krampfartiges Zusammenziehen in meinem Bauch und besonders mein Unterkiefer spannt sich an.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Missgunst

Mein Sichtfeld wird kleiner und fokussierter und ich spüre ein Drücken in meinem Kopf. Ich fokussiere mich blitzschnell genau auf das, was ich dem anderen nicht gönne. Den Rest meines Körpers spüre ich nicht.

 

Eine Anmerkung dazu und so ehrlich bin ich: DER Missgunstauslöser bei mir sind Frauen mit großen Brüsten. Schon seit meiner späten Kindheit. Ich war überzeugt: „Nur mit großen Brüsten bin ich eine Frau.“, „Wenn ich große Brüste habe, bin ich begehrenswert und beliebt.“ und (noch verheerender): „Wenn ich beliebt bin, passiert mir weniger.“ und „Wenn ich gut aussehe, kommt der Papa wieder.“ Tja……

 

Das Thema geht bei mir also sehr tief und berührt jedes Mal schmerzhafte Wunden. Und auch wenn ich mir den Missgunstauslöser schon hoch und runter angesehen habe, tut es immer wieder gleich weh. Mittlerweile habe ich das für mich akzeptiert und mehrere Maßnahmen entwickelt, um meinem inneren Kind und mir als Erwachsene zu helfen.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Scham

Ja, wenn ich Scham fühle, werde ich rot im Gesicht :-). Gleichzeitig „öffnet“ sich auch eine Art Loch in meinem Bauch und besonders meine Schultern zieht es dort hinein. Ich möchte mich dann einfach nur klein machen.

Wie ich meine Gefühle im Körper wahrnehme Hass

Durch meinen Körper schießt blitzschnell etwas Pfeilartiges von meinem Unterleib durch meinen Oberkörper und den Kopf und ich weiß: „Du musst schnell raus aus der Situation.“ DER Hassauslöser bei mir: Schnarchen :D.

 

Bist du auf der Suche nach weiteren Impulsen zum Thema Fühlen? Im Artikel "7 Gründe, warum das Fühlen wichtig ist" habe ich eine umfangreiche Liste mit weiterführenden Buch- und Webseitetipps zusammengetragen. Viel Freude wünsche ich dir beim Entdecken!

 

Deine Kirsten

 

Quelle:

Puca, R. M. (2021): Emotionen. In: Wirtz, M. A. (Hrsg.): Dorsch - Lexikon der Psychologie. 20. Aufl. Hogrefe.