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Meine Yoni und ich - Brief an meine Yoni

Meine Yoni und ich… Wir Beide haben eine lange Reise hinter uns. Mit dem „da unten“ kam ich bis vor rund 1,5 Jahren nicht zurecht. Um eine gesunde, wertschätzende und liebevolle Beziehung zu meiner eigenen Yoni zu entwickeln, brauchte ich erst einen Mann. Durch seine offene und neugierige Art und seine Tantraerfahrungen ermöglichte er mir, endlich „hinzusehen“ und allmählich meine riesige Scham zu überwinden.

Meine Yoni und ich

Erst ein Mann ermöglichte mir die Auseinandersetzung mit meiner Yoni

Ich hatte ihn während meines Tantrakurses 2019 kennengelernt und noch nie hatte ich solches Chaos erlebt ;-). Auch wenn wir mittlerweile zwei unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, werde ich immer dankbar sein, dass sich unsere Lebenswege gekreuzt haben. Wir machten wundervolle sexuelle Erfahrungen, loteten Grenzen aus und allmählich entdeckte ich, dass meine Yoni kein Tabu ist. Doch im Herbst 2019 musste auch ich einsehen, dass wir Beide nicht zusammenkommen können. Ich litt wie ein Hund (wieder mal). Da ich zu dieser Zeit auch mitten in der Aufarbeitung meiner Depression und meines Selbsthasses steckte, tauchte ich in diesen Liebeskummer ein. Es war so schmerzhaft. Allerdings entdeckte ich so auch, wie abhängig ich von ihm und Männern generell war. Da ich mich selbst so sehr für mich, meinen Körper, meine Sexualität, meine Menstruation, meine Lust und meine Yoni schämte, BRAUCHTE ich Männer, um dieses Loch irgendwie in mir zu füllen. Das konnte nicht gut gehen.

Aus dem Schmerz entstand eine Idee: Mein Yoni-Tagebuch

Ich sah ein, dass ich mich endlich mit mir selbst beschäftigen musste, wenn ich nicht immer wieder in diese Abhängigkeit und dieses anstrengende Gefühlschaos rutschen wollte. So führte ich Ende 2019 eine wöchentliche Yoni-Stunde ein und legte ein Yoni-Tagebuch an. Darüber schreibe ich ausführlich in einem anderen Artikel, denn hier möchte ich meinen Brief an meine Yoni mit dir teilen.

Meine Yoni und ich Brief an mein Yoni

Brief an meine Yoni

Denn so viele Frauen schämen sich noch immer zutiefst für ihr ganz persönliches Heiligtum, für ihre Lust und ihre so natürlichen, sexuellen Bedürfnisse und ich kann das so gut verstehen. Mir ging es ja genauso, wie du gleich lesen wirst. Zum Glück gibt es mittlerweile immer mehr mutige Frauen, die offen und öffentlich über Weiblichkeit und Sexualität sprechen oder sie künstlerisch zum Ausdruck bringen (Männer natürlich ebenfalls). Dazu möchte ich einen kleinen Beitrag leisten und auszugsweise den Brief an meine Yoni vom 12.01.2020 mit dir teilen. Ihre Antwort erfährst du hier.

 Meine mir so unbekannte Yoni,

 

ich habe nach den Nachrichten von R. nun das tiefe Bedürfnis, dir zu schreiben. Mir ist vorhin aufgefallen, dass ich irgendwas auf ihn projiziere und die Frage, warum ich mich nicht endlich von ihm lösen kann, beschäftigt mich ja auch schon von Anfang an. Ich glaube, ich habe die Antwort gefunden. Sie hängt mit uns Beiden und unserem (ja eigentlich nicht vorhandenem) Verhältnis zusammen. Hm… Verhältnis ist so ein starres Wort. Verbundenheit passt viel besser. Und genau diese Verbundenheit fühle ich aus lauter Ekel, Scham und Angst zu dir nicht. An diesem Punkt fängt mein Problem (und damit auch die ständige Abhängigkeit von den Männern) an.

 

Mir geht es auf gar keinen Fall um Schuldzuweisungen. Das wäre auch bescheuert, einem Körperteil die Schuld an Abhängigkeiten und Männerproblemen zu geben. Ich spüre sehr deutlich, dass ich keinen Zugang zu dir habe. Also keinen liebevollen, wertschätzenden und respektvoll-achtsamen Zugang. Und gleichzeitig bin ich völlig fasziniert, wenn Männer wie R. in den höchsten Tönen von dir schwärmen und nicht genug von dir bekommen können. Zumal R. immer die schönsten Worte für dich und deine Säfte findet (…). Er hat keinerlei Scheu vor dir und kann es immer gar nicht erwarten, dich zu sehen und zu riechen (…). Ich wiederum liebe es, diese Lust in ihm zu spüren (…). Also alles in allem: Ich bin von seiner Liebe und Aufmerksamkeit zu dir völlig abhängig. Denn wie stehe ich zu dir?

Meine Yoni und ich Scham, Ekel und Angst

 Ich bin von deiner leichten Erregbarkeit schon immer überfordert und weiß überhaupt nicht, wie ich mit der Lust umgehen soll. Denn mir ist klargeworden, dass ich Lust und Verlangen, wie alle Gefühle, eben auch sehr stark in mir fühle. Ich habe große Angst vor deiner Kraft und eben dieser Lust. Dafür schäme ich mich auch sehr. Ich schäme mich eigentlich für alles: dein Aussehen, die Haare, wie feucht du werden kannst, den starken Ausfluss, meine Lust, mein Verlangen – auch wenn es mich selbst schockiert, aber einmal in aller Deutlichkeit muss ich es sagen: Ich schäme mich dafür, dass du da bist. Und ich ekel mich auch so. Als ich vorhin auf der Toilette war, hing da so ein Schleimfaden aus dir… Da wurde mir klar, wie groß meine Angst und mein Ekel sind.

 

Und schlagartig erkannte ich, dass R. eben so nicht fühlt. Wenn überhaupt, würde er sagen, dass ich doch mal zum Arzt gehen solle, wenn ich mir zu große Sorgen mache. Und dann würde er dich einfach nur wieder verehren und dich wunderschön finden.

 

Er macht also Dinge, die ich dir nicht gebe. Er verehrt dich und ich möchte dich am liebsten nicht wahrnehmen. Doch wenn ich mal für einen Moment diesen dicken Schampanzer ablege: Dann macht es mich an, wie schön er dich und meine Lust findet. Und da werden der Ekel und die Scham noch viel stärker und schlimmer. Es tut richtig weh und ich fühle mich widerlich und schmutzig. Mein Selbsthass kennt gerade keine Grenzen und ich schäme mich so unfassbar sehr für meine starke Lust, meine Triebe und meinen Wunsch nach Befriedigung.

 

Und dann kommt R. mit seinen hungrigen und leidenschaftlichen Händen – ich merke gerade, dass es hier mal wieder auch um Erlaubnis geht. Seine Offenheit ist wie eine Erlaubnis für mich, dich fühlen zu dürfen und dass das Ausleben meiner Sexualität ok ist. Ja, das ist mein Problem: Ich habe die Verantwortung für einen liebevollen und wertschätzenden Umgang mit dir völlig an R. abgegeben. Und fühle mich genau deshalb so abhängig von ihm. Es hängt ja auch viel dran!

Meine Yoni und ich Kennenlernen

 So muss ich mich mit meinem Ekel, meiner Angst und krassen Scham nicht auseinandersetzen. Ich kann dich einfach immer weiter abstoßend und widerlich finden und R. verehrt dich. Doch was ist der Preis für diese Abhängigkeit?

 

Ich bin emotional völlig an ihn gebunden. Ich nehme immer wieder seine Verletzungen in Kauf, die mich tagelang beschäftigen. Das kostet dann wahnsinnig viel Kraft, die Stimmung ist im Keller und dabei brauche ich meine Kraft für mich und meine Entfaltung. Sein Unverständnis trifft mich jedes Mal bis ins Mark. Und doch gehe ich ihm immer wieder auf den Leim. Ich weiß eigentlich ganz genau, dass ich sensible Themen nicht mit ihm besprechen brauche. Es tut nur immer wieder weh und am Ende fühlen wir uns Beide unverstanden. Doch eben weil er dich so verehrt, nehme ich so viel inneren Schmerz und Kummer in Kauf. Er bekommt also nicht nur dich – ich lasse ihn auch meine Gedanken, Gefühle, mein ganzes Innenleben steuern.

 

Das ist der Preis dafür, weil ich mich nicht mit dir und meiner Lust auseinandersetze. Bzw. habe ich ja angefangen. Doch ich glaube, ich kann ruhig etwas mutiger werden. Was hältst du davon, wenn wir uns mal treffen (…)? :-)

 

Und falls du magst: Gern möchte ich auch deine Meinung und Gefühle zu unserer Verbindung und diesem Brief erfahren.

 

Bis hoffentlich bald.

 

Deine (leider so) unerfahrene Kirsten

Die Bilder wurden mit Canva erstellt.