· 

Wie ich zur Selbstbefriedigung stehe

In meinen Artikeln über das Verhältnis zu meiner Yoni habe ich dir erzählt, wie viel Angst, Scham und Ekel ich ihr gegenüber jahrelang empfunden habe. Und genau das empfand ich auch beim Thema Selbstbefriedigung. Selbstbefriedigung war für mich seit meiner Jugend ein „schmutziges“, „schmuddeliges“ Thema. Wenn ich es machte, kam ich mir immer vor, als würde ich etwas Verbotenes tun. Dabei lag ich immer auf dem Bauch, spannte die Beine stark an und versuchte, mich so wenig wie möglich zu bewegen. Obwohl ich dabei allein war. Ich schämte mich für meine Empfindungen. Ganz häufig diente mir die Selbstbefriedigung eigentlich als Einschlafhilfe. Ließ die extreme Anspannung in meinen Beinen nach, konnte ich oft leichter einschlafen. Sie hatte also nichts mit freiem, neugierigem Erforschen und Ausprobieren zu tun.

 

Durch die starke Scham und den Ekel, die ich meiner Yoni gegenüber empfand, berührte ich mich auch als erwachsene Frau nicht gern. Bei der Selbstbefriedigung meinen gesamten Körper einbeziehen? Das konnte ich nicht, denn ich hasste seit meiner Jugend meinen Körper, insbesondere meine Brüste und meine Haut. Ich fand mich selbst schlichtweg abstoßend. Meinen Körper liebevoll annehmen und behandeln? Das musste ich erst mühsam lernen.

Selbstbefriedigung Lange ein schwieriges Thema

Manchmal fühle ich mich unter Druck gesetzt

Seit ich meinen ersten Tantrakurs im Februar 2019 besucht habe, ist das Thema Selbstbefriedigung immer mal wieder präsent. Vor allem durch virtuelle Frauengruppen weiß ich, dass viele Frauen mit der Selbstbefriedigung hadern. Oft sind es dieselben oder ähnliche Ursachen wie bei mir. Ich gebe zu, dass ich mich manchmal etwas unter Druck gesetzt fühle. „Wenn du xy Orgasmen im Jahr hast, hilft das deinem Immunsystem“, „Streichel deine Perle mal mit der anderen Hand oder gegen den Uhrzeigersinn.“, „Beziehe deine Brüste mit ein.“ Nein, ich will solche gutgemeinten Tipps nicht schlechtreden. Ich finde es unglaublich toll, dass wir Frauen uns immer mehr mit unserer Yoni und Lust auseinandersetzen. Mir geht es um etwas anderes und bisher habe ich keinen Artikel dazu gefunden. Deshalb möchte ich das hier ansprechen, falls es dir ähnlich geht.

Selbstbefriedigung Unter Druck

Missbrauche ich mich selbst?

Denn obwohl ich mich sehr viel mit mir selbst auseinandersetze, mir immer mehr Gutes tue und ich meinen Körper endlich liebe, befriedige ich mich selbst noch immer selten. Durch mein Yoni-Tagebuch, welches ich ab Dezember 2019 führte, wurde mir nämlich ein großer innerer Widerstand bewusst. Und ich bin froh, dass ich darauf bis heute achte und mir nichts einreden lasse. Ich habe nämlich beim Gedanken an die Selbstbefriedigung sehr oft das Gefühl, mich selbst zu missbrauchen. Vielleicht hängt das auch mit meinen Missbrauchserfahrungen zusammen. Damals überging ich ja all meine körperlichen Warnsignale und redete mir gut zu. „Nee, komm, ist nicht so schlimm. Es passiert doch nichts", „Tu ihm den Gefallen“, "Er hilft dir doch", „Das ist doch was Schönes.“ usw. Es war nicht schön. Es war über 3 Jahre lang scheiße. 

Selbstbefriedigung Selbstmissbrauch?

Hör auf deine Körpersignale - Sie sind immer eindeutig

Mir geht es nicht darum, dir und mir die Selbstbefriedigung auszureden oder ähnliches. Mir ist wichtig, dass du auf deine Körpersignale achtest. Lass dir nichts von Häufigkeiten oder Durchschnittsangaben anderer einreden. Hör auf deinen Körper und deine Yoni. Und wenn du für dich selbst spürst, dass du dich nicht selbst befriedigen möchtest, ist das in meinen Augen sehr achtsam und wertschätzend dir selbst gegenüber.

 

Im Moment bin ich dabei, gelegentlich meine Yoni bzw. Vulva ohne Erregungs- und Orgasmusabsicht behutsam zu streicheln. Als würde ich mir über die Wange streicheln :-). Denn meine Vulva gar nicht zu berühren, fühlt sich für mich auch nicht stimmig an. Und ich möchte nicht, dass ich wieder Angst vor ihr entwickle. Wenn mir meine Yoni signalisiert, dass sie genug hat, nehme ich die Hand wieder weg.

 

Deshalb ist mir wichtig: Mach das, was sich FÜR DICH gut anfühlt.

 

Herzensgruß

Kirsten

Selbstbefriedigung Achte auf deine Körpersignale