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10 Vorteile meines stationären Aufenthaltes in der Psychiatrie

Mein stationärer Klinikaufenthalt in der Psychiatrie liegt zwar schon eine kleine Weile zurück. Doch vor kurzem erreichte mich eine berührende Nachricht über meine Webseite. Eine junge Frau war vor wenigen Monaten selbst für ein paar Wochen in einer psychiatrischen Klinik gewesen und berichtete mir, mit welch heftigen Versagensgedanken sie vor und während des psychiatrischen Aufenthaltes zu kämpfen hatte. Damit ist sie nicht allein. Viele Betroffene empfinden häufig große Scham und Angst: Was habe ich falsch gemacht? Warum trifft es mich? Wie reagiert mein Umfeld auf meine psychische(n) Diagnose(n) und meinen (teil-)stationären Aufenthalt in der Psychiatrie/Psychosomatik? Gelte ich jetzt als unberechenbar, verrückt, unzurechnungsfähig? Diese so nachvollziehbaren Gedanken und Gefühle können jedoch dazu führen, dass man sich beispielsweise dem Klinikpersonal nicht anvertraut. Und an dieser Stelle möchte ich mit meinem Artikel ansetzen.



Sich für professionelle Hilfe zu entscheiden, finde ich bewundernswert!

Denn ich kann die Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen, auch wenn es bei mir selbst ein bisschen anders verlief. Mein Aufenthalt in der Psychiatrie war nicht geplant, meine Aufnahme erfolgte im September 2018 akut. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir noch nie Gedanken darübergemacht, ob ein stationärer Krankenhausaufenthalt in der Psychiatrie bzw. eine Therapie für mich in Frage kommen. Mein Leben musste erst am seidenen Faden hängen, damit ich begriff, wie dringend ich Hilfe brauche. Und nein: Das ist nicht gut, ganz und gar nicht. Falls du also momentan einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie oder Psychosomatik planst oder mit dem Gedanken daran spielst, finde ich das aufrichtig toll und bewundernswert. Nochmal: Toll und bewundernswert. Denn in meinen Augen achtest du so auf dich und trittst rechtzeitig auf die Bremse.

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Sich Hilfe zu suchen, finde ich aufrichtig bewundernswert

Und so möchte ich dich gern mit dem Artikel unterstützen. Dazu habe ich die Vorteile aus meinem knapp zweimonatigen, stationären Psychiatrieaufenthalt zusammengetragen. Nachteile konnte ich auch nach längerem Überlegen nicht erkennen, sogar das Essen war gut :-). Ich war zwar immer wieder von wechselnden Zimmergenossinnen betroffen, kam aber gut mit allen zurecht. Wir sprachen uns wegen der Bad- und Schlafgewohnheiten ab und es schnarchte zum Glück niemand :-). Doch hier hätte ich notfalls mit dem Stationspersonal reden und um Zimmer- bzw. Bettentausch bitten können.

10 Vorteile meines  stationären Psychiatrieaufenthaltes

1. Kein Haushalt

Aufenthalt in der Psychiatrie Kein Haushalt

Es tat mir SO SO SO gut, ENDLICH Verantwortung abgeben zu können und mich nicht um Dinge wie kochen, putzen, abwaschen, staubwischen, staubsaugen etc. zu kümmern. Das empfand ich als große Erleichterung und ich hatte das Gefühl, endlich aufatmen zu können. Gefühlt wurde mir eine gewaltige Last abgenommen. Während der Zeit in der Klinik quälten mich gottseidank kaum Zwangsgedanken, ich dachte nicht panisch an meinen Haushalt und was ich alles tun müsse (Mein Tagebuchauszug vom 28.11.18 zeigt, wie stark mich die Gedanken an meinen Haushalt im Griff hatten. Zum Zeitpunkt des Eintrags lag meine Entlassung aus der Klinik 3 Wochen zurück).

2. Es ist immer jemand zum Reden da

Ob morgens, mittags, nachts, ob Pflegekräfte oder Ärzte – zum Reden ist immer jemand da. Ich weiß, wie groß die empfundene innere Hürde sein kann, zum Zimmer des Stationspersonals zu gehen und zu fragen, ob jemand für ein paar Minuten Zeit zum Reden hat. Allerdings kann auch genau diese Überwindung eine wichtige Lernaufgabe sein.

 

Nach der ersten Zeit in der Klinik meinte ein Pfleger zu mir, ich würde „nie“ um ein Gespräch bitten. Ich wäre immer so „freundlich“. Sofort dachte ich natürlich, ich hätte irgendetwas falsch gemacht. Und ich war noch immer der Meinung, dass es anderen doch viel schlechter ginge als mir. „Ich will nicht im Mittelpunkt stehen.“, „Ich will niemandem die Zeit stehlen.“, „Wer interessiert sich denn für meine Probleme?“ Kennst du solche Gedanken?

 

Trotzdem nahm ich mir die Worte des Pflegers zu Herzen. Irgendetwas musste er ja wahrgenommen haben, was ich nicht bemerkt hatte. Ich war es schlichtweg zutiefst gewohnt, alles mit mir selbst auszumachen. Andere an mich und mein Inneres heranlassen? Niemals! Ich brauchte Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, jemanden um Hilfe zu bitten, wenn es mir in dem Moment nicht gut ging. Aber nach den ersten Überwindungen und Herzklopfen klappte es mit der Zeit immer besser :-).

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Mit jemandem sprechen

3. Geordnete Tagesstruktur und viel Freiraum

Jeder Patient erhielt wenige Tage nach der Aufnahme einen Wochenplan, auf dem die Essenszeiten und individuellen Gruppen- und Kursangebote standen. Während meiner ersten Woche in der Psychiatrie standen von Montag bis Freitag folgende Dinge in meinem Plan: Frühstück, Mittagessen, Abendbrot. Mehr nicht. Für mich war das die reinste Wohltat. Kann man sich kaum vorstellen, oder? Ja, so schlecht ging es mir. Allerdings musste ich meinen Aufenthalt in der Psychiatrie anschließend für knapp 2 Wochen unterbrechen, da ich erneut eine schwere Nierenentzündung bekam. Die Ärzte vermuteten, dass ich meine erste Nierenentzündung im Frühjahr 2018 nicht richtig auskuriert hatte. So egal war ich mir selbst.

 

Nach meiner Wiederaufnahme in die Psychiatrie sah mein Wochenplan anders aus. Er bestand nun aus folgenden Inhalten:

  • Ergotherapie (täglich)
  • Morgenspaziergang (täglich)
  • Musiktherapie (wöchentlich)
  • Sport (wöchentlich, fiel aber fast immer aus :-))
  • Aufklärung über Depression (wöchentlich)
  • Aufklärung über Angststörung (wöchentlich)
  • Visite (zweimal wöchentlich)
  • Skills-Gruppe (wöchentlich)
  • PMR (Progressive Muskelentspannung, wöchentlich)

Diese geordnete Struktur tat mir persönlich sehr gut. Es blieb genügend Zeit für Spaziergänge auf dem Klinikgelände und vor allem: Nach Jahren (!) konnte ich nach einiger Zeit in der Klinik endlich wieder ein Buch lesen.

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Spazieren als Morgenroutine
Viele Spaziergänge taten mir persönlich sehr gut, um meinen Gedanken nachzuhängen (Das Waldbild zeigt nicht das Klinikgelände ;-))

4. Erkenntnis: Ich bin mit meinen psychischen Erkrankungen nicht allein

Es berührt mich sehr und stimmt mich nachdenklich, wenn ich mitbekomme, welch großes Tabu eine psychische Erkrankung noch immer in unserer Gesellschaft bedeutet. Wir sind mehr als unser Körper und unser Verstand, worüber wir uns häufig noch immer einzig und allein identifizieren. Laut der Deutschen DepressionsLiga waren bereits vor Corona ungefähr 5 Millionen Bundesbürger an einer Depression erkrankt. Suchterkrankungen, Angststörungen, Essstörungen, Zwangserkrankungen usw. noch gar nicht einbezogen.

 

Ich finde es etwas seltsam: Auch in meiner Familie waren einige bereits in psychiatrischer Behandlung. Doch darüber spricht so gut wie niemand. Und wenn doch, dann nur hinter vorgehaltener Hand und möglichst leise. Es soll bloß keiner mitbekommen. Die Scham ist so groß. Schon irgendwie schade, oder?

5. Aufklärung über Depression und Angststörung

In meinem Artikel zur Heilung meiner Depression habe ich dir erzählt, dass mir erst in der Klinik bewusst wurde, dass ich psychisch krank bin. Es traf mich mit voller Wucht, als mir klar wurde, dass ich unter anderem depressiv war. Es war derart selbstverständlich für mich, täglich 150 % zu geben, stets freundlich, zurückhaltend und einfühlsam zu sein. Ich kannte es nicht anders. Und nun sollte ich, die allzeit Starke und Verantwortungsbewusste, plötzlich krank sein???

 

Nachdem ich den Schock verdaut hatte, bin ich gern in die Aufklärungsgruppen zur Depression und Angststörung gegangen. Die Depressionsgruppe tat mir vor allem deshalb gut, weil wir mit verschiedenen Arbeitsblättern die Depression beleuchteten. Erstmals in meinem Leben dachte ich über meine (depressiven) Gedanken und Grundüberzeugungen nach. Es war für mich Neuland, meinen depressiven Gedanken realistische Alternativen gegenüberzustellen. Den Austausch mit anderen Betroffenen in beiden Gruppen empfand ich als bereichernd und erleichternd, da die meisten von uns mit Überzeugungen wie „Ich bin völlig wertlos.“, „Ich krieg überhaupt nichts hin.“ und „Ich schaffe das nie.“ etc. zu kämpfen hatten.

6. Ausprobieren in geschütztem Rahmen

Als ich „Musiktherapie“ in meinem Wochenplan gelesen hatte, rutschte mir damals das Herz in die Hose. Ich hatte solche Angst! Angst davor, mich zu blamieren, bloßgestellt und schief angesehen zu werden, als pure Zumutung zu gelten usw. Es war die Hölle. Ich weiß noch, dass ich vor der ersten Stunde extra ein weites Oberteil angezogen hatte, damit niemand sah, wie sehr ich schwitzte. Doch der Therapeut war sehr nett und die anderen kannte ich ja von der Station. Die ersten Übungen waren gottseidank einfach und von Woche zu Woche legte ich etwas mehr Scham ab.

 

Und dann wollte ich es wissen: Es war meine vorletzte Therapiestunde vor der Entlassung und ich wollte mich an etwas für mich richtig Schwieriges wagen. In den Stunden zuvor sollten wir uns anfangs meist ein Instrument aussuchen, mit welchem wir unsere aktuelle Stimmung ausdrücken konnten. Doch diesmal wollte ich nicht meine Stimmung ausdrücken, ich wollte mich überwinden. Und so nahm ich mir einen Kontrabass :-). Ich hatte noch nie ein Streichinstrument in der Hand gehalten und wusste nur, dass ich mit dem Bogen irgendwie über die Saiten fahren muss :-). Aber es ging mir nicht ums Spielen. Ich wollte mich meiner Angst und übergroßen Scham stellen und als ich mit klopfendem Herzen diese völlig schrägen und wahrscheinlich kaum zu ertragenden Töne vor den anderen produzierte, war ich so unbeschreiblich stolz auf mich :-D.

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Kontrabass

Auch meine ersten Gespräche mit den Pflegekräften kosteten mich viel Überwindung (siehe 2.). Doch die Menschen, die in einer psychiatrischen/psychosomatischen Klinik arbeiten, sind GENAU DAZU da. Auch ein Gespräch mit einer Seelsorgerin tat mir damals sehr gut, weil sie mich erstmals behutsam auf mein viel zu starkes Verantwortungsbewusstsein ansprach.

7. Wenn ich meine Ruhe wollte, war das ok

Das klingt vermutlich erstmal recht banal. Doch dass mich die anderen nicht komisch ansahen, wenn ich mich aus Gruppenaktivitäten ausklinkte, war für mich eine neue Erfahrung. Gingen die anderen Tischtennis spielen und ich spazieren – war das ok. Keine Blicke, kein Getuschel, keine blöden Kommentare, keine Vorwürfe. Ich durfte einfach mein Ding machen und wenn mir nach Gesellschaft war, ging ich zu den anderen. Ein tolles Gefühl.

8. Anspannungsprotokolle zeigten mir erstmals: Ich komme nicht runter

In der wöchentlichen Skills-Gruppe sprachen wir u. a. über Stress und dessen Entstehung, wir legten für uns individuelle „Notfallkoffer“ an, führten Spannungskontrolle etc. Besonders die Anspannungsprotokolle zeigten mir erstmals, dass ich mich nicht entspannen konnte und wie sehr meine Anspannung mit meinem Skin Picking zusammenhing. Mir fiel so zum ersten Mal auf, dass ich nicht mal wusste, wie das geht: Entspannen. Ein dauerhaft entspannter Zustand? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich das überhaupt anfühlen soll.

Noch heute kämpfe ich mit den Nachwirkungen meiner dauerhaft angespannten Haltung. Immer bereit, mich der nächsten Katastrophe zu stellen; immer bereit, meine Liebsten und mich zu verteidigen; immer bereit, die nächste Hiobsbotschaft auszuhalten. Diese tief verinnerlichte An- und Verspannung hat Spuren in mir hinterlassen. Unterleib, Rücken, Schultern, Nacken, Kiefer, Waden, Unterarme, manchmal balle ich noch heute unbewusst beim Essen die Fäuste. Nichtsdestotrotz habe ich mittlerweile aber zumindest ein gutes Gefühl für Entspannung :-).

9. Erfolgserlebnisse durch die Ergotherapie

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Erfolgserlebnisse durch die Ergotherapie

Schau mal, sind die beiden nicht hübsch? :-) Man sieht es dem kleinen Körbchen und der Holzbox nicht an, aber auch in ihnen steckt viel Überwindung. Die Holzteile sind mit einer Art Laubsäge mit Fußpedal bearbeitet; mit einem solchen Gerät hatte ich noch nie gearbeitet. Die Koordination von Füßen, welche den Rhythmus des Sägeblatts vorgaben, und Händen, welche das Holz führten, war für mich anfangs völlig unverständlich :-). Und für jemanden wie mich, die Selbstabwertung und eigenes Kleinmachen zutiefst verinnerlicht hatte, war das Bedienen der Säge eine große Herausforderung. „Ich krieg aber auch echt gar nichts hin.“, „Gott, ist das peinlich.“, „Ich bin wirklich für alles zu dumm.“, „Ich schaffe das nie.“, „War wieder klar: Die anderen schaffen es total leicht und ich stell mich wieder so an.“ – Solche Gedanken gingen mir bei meinen ersten Versuchen in Dauerschleife durch den Kopf. Die anderen aus der Gruppe wollten mir in bester Absicht schnell helfen, dadurch fühlte ich mich allerdings bloß noch unfähiger.

 

Aber du siehst an meinen Werken, dass ich es irgendwann hinbekam :-). Und ich war so stolz. Nachdem ich den Dreh einmal heraus hatte, wollte ich nichts anderes mehr machen. Die Zeit war dann immer viel zu schnell vorbei und wehe die Ergo fiel mal aus! :-) Für meine Schwester erstellte ich sogar einen größeren Holzschmuckkasten, bei dem ich mit einem Holzbrenner Blumenornamente vorsichtig ins Holz brannte. Es war für mich schon fast eine meditative Arbeit, die mir viel Spaß machte.

10. Ich entdeckte das Schreiben für mich

Was hat sich aus dem Schreiben für mich entwickelt… Ich tippe diesen Artikel und pflege meine eigene Webseite :-).

 

Doch angefangen hat alles in der Klinik. Abends sollten wir zusammenfassen, wie es uns tagsüber ergangen war. Dafür holten wir uns unsere individuellen Hefter beim Stationspersonal ab und gaben ihnen diese nach dem Schreiben zurück. Die Texte wurden vom Personal anschließend gelesen. Endlich hatte ich ein Ausdrucksmittel! Dem Papier konnte ich mein Inneres anvertrauen, ohne dass es mich dafür bewertete, kritisierte, ausgrenzte, verhöhnte, ignorierte, auslachte etc. (In meiner frühen Jugend hatte ich schon mal ein Tagebuch geführt. Ich erwischte als 12- oder 13-Jährige meine Mutter beim Lesen meines Tagebuchs. Entschuldigt hat sie sich dafür nie. Das Schreiben ließ ich ab diesem Zeitpunkt bleiben).

 

Nahtlos führte ich das Schreiben nach meiner Entlassung in meinen Tagebüchern fort und sehr schwierige und besonders dunkle Aufarbeitungsmomente überstand ich mit dem Schreiben. Und wie du siehst, ist das Schreiben als Leidenschaft geblieben und wer weiß, wo es mich noch hinführen wird :-).

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Selbstreflexion
Wie wichtig für mich persönlich (!) Selbstreflexion ist, sollte ich erst in der Klinik herausfinden

Vielleicht konnte ich dir mit diesen Beschreibungen und Vorteilen ein wenig die Sorgen nehmen. Mein Aufenthalt in der Psychiatrie war für mich der Startschuss in mein neues Leben. Nein, leichter wurde es danach nicht. Doch es war der Anfang und ohne die Klinik wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich möchte dich von Herzen ermuntern, der Klinik und deinem Aufenthalt eine (weitere) Chance zu geben.

Stationärer Aufenthalt in der Psychiatrie: Feedback
In der Klinik entdeckte ich, wie gut mir das Schreiben tut. Und all die anschließende, harte Aufarbeitungsarbeit hat sich so sehr gelohnt, dass ich nun solch herzliches Feedback erhalten darf. (Quelle: Instagram, Februar 2023)

Welche Erfahrungen hast du bei deinem Psychiatrieaufenthalt gemacht? Was löst das Thema "Psychiatrie" bei dir aus? Ich freue mich über einen Kommentar von dir!

 

Bis bald wieder

 

Deine Kirsten

 

Ergänzung am 22.01.22: Ich möchte nur nochmal sagen, dass der Artikel aus meiner persönlichen Sicht geschrieben ist und lediglich meine individuellen Erfahrungen zum stationären Psychiatrieaufenthalt beschreibt. Ich bin regelmäßig auf der Suche nach Lebensgeschichten und authentischen Blogs. So stieß ich gestern durch die Webseite der Mutmachleute auf den Blog von Vera Maria. Ich war einfach schockiert, was man ihr angetan hat und wie in der Psychiatrie mit ihr umgegangen wurde. Man sollte meinen, diese dunklen Zeiten würden endlich hinter uns liegen. Ihre Leidensgeschichte zeigt, dass das leider nicht so ist. Ihre Geschichte zeigt aus meiner Sicht, dass wir noch immer sehr starre Vorstellungen davon haben, was "normal", "gesund" und damit "erstrebenswert" scheint und was nicht. Einerseits frage ich mich aufrichtig, wie sie das überlebt hat. Andererseits beeindruckt mich ihr unbändiger Lebenswille. Das sollte man sich bewusst machen und sie nicht wie einen Mensch 2. Klasse behandeln.

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Kommentare: 6
  • #1

    Vera Maria (Samstag, 10 September 2022 02:11)

    Hi, bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und deine Erwähnung von meiner Geschichte gesehn, hat mich gefreut :)

    LG Vera Maria

  • #2

    Kirsten (Sonntag, 11 September 2022 20:48)

    Liebe Vera,

    von Herzen gern! Ich freue mich über deinen Onlinebesuch :-)

    Herzlicher Guß
    Kirsten

  • #3

    Ines Ettelt (Donnerstag, 22 September 2022 08:20)

    Liebe Kirsten! Ich habe mich für eine Rehaklinik entschieden, eine Psychosomatische. Ich bin seit nunmehr 10 Wochen zuhause in Begleitung eines Psychotherapeuten, welcher mir sehr gut tut. Irgendwie geht es aber nicht voran, ich stürze immer mehr ab mit allen Symptomen. Ich bin Erzieherin und gehe eigentlich für meinen Beruf auf. Mittlerweile hab ich Zweifel, ob ich wieder so optimistisch, vertrauensv und angagiert für meine Kinder da sein kann. Kann ich mit der Entscheidung für eine Reha Hoffnung haben?

  • #4

    Kirsten (Donnerstag, 22 September 2022 11:42)

    Liebe Ines,
    ich kann deine Sorgen und Angst sehr gut verstehen. Und dass du ein Hilfsnetz um dich hast, finde ich super! Zwei Dinge sind mir zu deiner Nachricht eingefallen:

    Ich kann dir nur empfehlen, auch in der Klinik mit dem Personal über deine Ängste zu sprechen (z. B. Angst vor Verschlechterung, Angst vor Jobverlust, Angst davor, dass es nicht besser wird). Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn du dort kein offenes Ohr findest.

    Und damit zusammenhängend (und das ist wirklich respektvoll gemeint): Wenn ein Kind in deinem Arbeitsalltag große Angst vor etwas hat und der Ausgang der Situation auch wirklich völlig offen ist - Wie würdest du mit dem Kind umgehen? Was würdest du ihm sagen?

    Sei gut zu dir, liebe Ines.

    Herzlicher Gruß
    Kirsten

  • #5

    Ines Ettelt (Freitag, 04 November 2022 07:51)

    Liebe Kirsten. Danke für Deine lieben Worte. Nun bin ich schon die 16. Woche zu Hause. Der Antrag für die Reha ist gestellt...seit 4 Wochen. Hab noch keine Nachricht. So langsam verliere ich jede Hoffnung, die Suizidgedanken schleichen sich wieder ein. Wie kann ich durchhalten bis mir endlich geholfen wird? LG Ines

  • #6

    Kirsten (Sonntag, 06 November 2022 22:20)

    Liebe Ines,
    das klingt nicht gut! Einen ärztlichen oder therapeutischen Rat kann und darf ich dir nicht geben. Dennoch verstehe ich deine Not und die zunehmende Verzweiflung sehr gut!

    In deinem ersten Kommentar hattest du geschrieben, dass du bei einem Psychotherapeuten bist. Ihm würde ich unbedingt, falls du das nicht ohnehin bereits getan hast, von deiner Situation und den drängenderen Suizidgedanken erzählen. Falls das so schnell nicht möglich sein sollte, gibt es noch die Möglichkeit, notfallmäßig eine Psychiatrische Institutsambulanz aufzusuchen. Oder du sprichst offen mit deinem Hausarzt über die Lage. Außerdem kann ich dir noch das professionell geleitete "Diskussionsforum Depression" empfehlen. Hier tauschen sich Betroffene und Angehörige rund um das Thema Depression aus. Ich selbst war dort 2020 für einige Wochen angemeldet und gab dort meine Erfahrungen weiter. Vielen half im Forum auch einfach erstmal nur der Zuspruch und das Gefühl, nicht allein mit einer schwierigen Situation zu sein. Hier ist der Link zum Onlineforum: https://www.diskussionsforum-depression.de/

    Aber bitte bitte bitte zögere nicht allzu lange!

    Pass auf dich auf, liebe Ines.